Wird der Bitcoin die neue Weltwährung?

Um den Handel mit Waren und Dienstleistungen zu erleichtern haben sich in der Geschichte der Menschheit Tauschgegenstände entwickelt. Waren früher Getreidekörner, Münzen und Gold die Tauschgegenstände, wurden sie im Zuge der mehr und mehr profitorientierten Menschheit im zunehmenden grenzüberschreitenden Warenverkehr irgendwann durch Geldscheine und Währungen ersetzt.

Der Internetboom der letzten Jahre sorgte nicht nur dafür, dass Zahlungssysteme wie Paypal zur einfacheren (1-Klick-) Bezahlung entstanden, sondern dass einige Idealisten sogar eigene virtuelle Währungen gründeten. Wie auch bei Paypal wird jede Transaktion der ausschließlich virtuellen Währung Bitcon komplett digital abgewickelt, also zwischen Rechnern – jedoch besteht der große Unterschied darin, dass bei Paypal jeweils innerhalb einer bestehenden Landeswährung transferiert wird.

Der Bitcoin hingegen, der 2008 von Satoshi Nakamoto erstmals implementiert wurde und seitdem hauptsächlich auf der Online-Handelsplattform Mt. Gox eingesetzt wird, ist eine eigenständige Währung, die keiner Instanz wie etwa einer Zentralbank, die politisch gesteuert wird, unterliegt. Eine andere interessante Tatsache ist, dass die Menge aller Bitcoins beschränkt ist. Maximal 21 Millionen Bitcoins kann es geben, somit ist diese Währung eher deflationär, was bedeutet dass die Preise dahinter stehender Waren und Dienstleistungen eher sinken, anstatt durch Inflation permanent entwertet zu werden (was natürlich auf der anderen Seite auch nicht gerade unproblematisch ist).

Seit Beeindigung des Goldstandards Ende der 70er Jahre, als jede Währung zumindest noch mit einem gewissen Anteil an physischem Gold gedeckt war, kann man gut beobachten wie teuer durch Inflation unser Lebensstandard geworden ist. Auch wenn der Bitcoin spekulativ ist (wie alle anderen Währungen auch) und sich somit durch Angebot und Nachfrage Verluste und Gewinne generieren lassen, so spricht die Idee der unabhängigen Währung, die keiner Zentralbank und Politik unterliegt, absolut für sich.

Das Kernproblem konventioneller Währungen ist das Ausmaß an Vertrauen, das nötig ist, damit sie funktionieren. Der Zentralbank muss vertraut werden, dass sie die Währung nicht entwertet, doch die Geschichte des Fiatgeldes ist voll von Verrat an diesem Vertrauen. Banken muss vertraut werden, dass sie unser Geld aufbewahren und es elektronisch transferieren, doch sie verleihen es in Wellen von Kreditblasen mit einem kleinen Bruchteil an Deckung. Wir müssen den Banken unsere Privatsphäre anvertrauen, vertrauen dass sie Identitätsdieben nicht die Möglichkeit geben, unsere Konten leer zu räumen. Ihre massiven Zusatzkosten machen Micropayments unmöglich.

Eine Generation früher hatten Nutzer von Time-Sharing-Computersystemen ein ähnliches Problem. Vor dem Aufkommen von starker Verschlüsselung mussten die User sich auf Passwortschutz für ihre Daten verlassen und dem Systemadministrator vertrauen, dass dieser ihre Informationen vertraulich hielt. Diese Privatsphäre konnte jederzeit aufgehoben werden, wenn der Administrator zu dem Schluss kam, dass sie weniger wog als andere Belange, oder auf Anweisung seiner Vorgesetzten. Dann aber wurde starke Verschlüsselung für die Masse der Nutzer verfügbar, und Vertrauen war nicht länger nötig. Daten konnten auf eine Weise gesichert werden, die einen Zugriff durch Dritte – egal aus welchem Grund, egal mit wie guten Entschuldigungen, egal was sonst – unmöglich machten.

Es ist Zeit, dass wir dieselbe Sache für Geld haben. Mit einer e-Currency basierend auf einem kryptografischen Beweis, ohne Notwendigkeit Mittelsmännern zu vertrauen, kann Geld sicher sein und mühelos transferiert werden.

Bitcoin-Erfinder Satoshi Nakamoto / Quelle: wikipedia.de

Bitcoin als Spekulationsobjekt

Die in der Vergangenheit teilweise erheblichen Kursschwankungen nach oben und nach unten lassen sich damit erklären, dass die Währung noch ziemlich jung ist und im Vergleich noch relativ wenig Nutzer hat. Wenn große Volumina von einzelnen Leuten getätigt werden, kann das noch eine relativ große Volatilität zur Folge haben. Eben diese starken Schwankungen machen es jedoch auch für potentielle Anleger interessant, den Bitcoin als Spekulationsobjekt zu nutzen – oder als Spardose ohne staatlichen Zugriff in der Hoffnung auf steigende Kurse. Während der Zypernkrise Anfang des Jahres 2013 soll der Bitcoin eine Art Fluchtmöglichkeit gewesen sein, glaubt man einigen Medien. Die Wertentwicklung daraufhin jedenfalls mutet aberwitzig an: Am 10. April 2013 bewegte sich der Kurs von 1 Bitcoin zwischen 263 US-Dollar (bisheriges Allzeithoch seit Bestehen) und einem Tief von 135 US-Dollar und verlor dabei fast die Hälfte seines Wertes. Am 6.11.2010 lag der Wert von 1 Bitcoin bei 0,50 US-Dollar, dies waren jedoch noch die Anfänge der neuen virtuellen Währung. Am 30.9.2013 lag der Kurs bei knapp 134 US-Dollar. Der Bitcoin (offiziele Abkürzung: BTC) ist mittlerweile bei Devisenhändlern wie Oanda.com gelistet.

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Sicherheit

Eine komplizierte kryptografische Technik sorgt dafür, dass die virtuelle Währung in höchstem Maße fälschungssicher ist. Beim Bitcoin werden alle Transaktionen in allen beteiligten Computern (Peer-to-Peer-Netzwerk) gespeichert. Weiterführende Informationen über die Technik des Systems in Bezug auf Sicherheit und Erzeugung der Bitcoins würde ein ganzes Buch füllen. Überraschend, dass die BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) den Bitcoin nicht verbietet, sondern ihren Einsatz erlaubt. Allerdings muss sich etwa ein Online-Shop, der den Bitcoin als Zahlungssystem verwenden möchte, bei der BaFin eine Erlaubnis einholen.

Bitcoins erwerben

Zu bekommen ist die virtuelle Währung durch Kauf (z.B. mit Euro oder US-Dollar) und durch das das sog. Bitcoin-Mining, einer Technik, durch die sich die Währung computerbasierend und mit viel Glück selbst erzeugt – allerdings nur in bestimmten mathematischen Algorythmen und nur bis zum Jahr 2140. Bis dahin sind alle 21 Millionen Bitcoins erzeugt und es können nur noch die vorhandenen Bitcoins transferiert werden. Als Neuling (Trustlevel: Bronze) ist der Handel begrenzt. Durch gute Bewertungen der Handelspartner kann sich jeder Teilnehmer sein Vertrauensverhältnis aufbauen, sodass dann über die Trustlevel Silber und später Gold dem Käufer oder Verkäufer keinerlei Beschränkungen mehr unterliegen.

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Eine Möglichkeit, in den Besitz von Bitcoins zu kommen, ist diese selbst zu Minen, also selbst zu erzeugen. Doch dies erfordert eine gute Grafikkarte und vor allem Wartezeit sowie Glück. Eine andere Alternative ist, Waren und Dienstleistungen zu verkaufen und dafür die Zahlung von Bitcoins zu akzeptieren. Wenn Sie allerdings über keinen eigenen Online-Shop verfügen oder momentan keine Gebrauchsgegenstände besitzen, die Sie an Privatpersonen verkaufen möchten und Sie sich zudem nicht allein auf Ihr Glück beim Minen von Bitcoins verlassen möchten, finden Sie auf dem bitcoin.de Marktplatz garantiert einen Verkäufer, der Ihnen Bitcoins verkauft. Bitcoin.de

Oanda_BitcoinDie Idee von Bitcoin und dessen weltweites Medienecho beweist, dass sich die Welt momentan stark verändert und die Erkenntnis bei immer mehr Menschen reift, dass man keinen Staat und keine Zentralbank braucht, um eine Währung zu (er)schaffen und zu regulieren. Diese Währung würden dann, obwohl durch Computer erzeugt, die Menschen selbst schöpfen und nutzen, und keine Politiker und Banken, die mit damit ihre Pfründe retten.

Vor- und Nachteile des BITCOINS auf einem Blick:

Vorteile:

– Es gibt keine Kontrollinstanz (keine Zentralbank), die den Wert der Währung beeinflussen und nach politischen Gesichtspunkten regulieren kann.
– Kostenfreie Transaktionen für Sender und Empfänger.
– Inflation ist kaum möglich, der Bitcoin wirkt eher deflationär durch eine Mengenbegrenzung (21 Mio. Stück), was den Effekt hat, dass das Geld viel mehr in Umlauf ist, anstatt dass es gehortet wird.
– Durch ständige technische Weiterentwicklung der Technik und Software höchstgradig fälschungssicher.
– Wertsteigerungschancen.
– Alle Transaktionen werden gespeichert und sind dadurch nachvollziehbar.
– Kein Zugriff des Staates auf die Vermögen möglich (außer der Bitcoin würde komplett verboten werden).
– Momentan geradezu prädestiniert für den Internethandel, ausbaufähig auch für andere Geschäfte.
– Durch das Bewertungssystem kann bzgl. Der Zahlungsweise Vertrauen zwischen den Geschäftspartnern entstehe.
– Zahlungen können nicht rückgängig gemacht werden (Vorteil für den Verkäufer).

Nachteile:

– Spekulationsobjekt (wie andere „normale“ Devisenwährungen auch).
– Nicht geschützt durch Diebstahl, falls dies tatsächlich einmal geschehen sollte (in dem Fall gibt es keine Erstattung wie von einer Bank).
– Keine Einlagensicherungsfonds.
– Kein Bargeld.
– Computergebunden – dadurch Risiko eines technischen Defekts, Stromausfall, Hackerangriffe
– Möglicherweise wird der Bitcoin irgendwann von den Regierungen und Zentralbanken als „Feind“ angesehen, da Kapital von den konventionellen Währungen abgezogen wird (vorrangig in Krisenzeiten), dann evtl. Verbot des Bitcoins (siehe auch „Goldverbot in den USA im Jahr 1933).
– Zahlungen können nicht rückgängig gemacht werden (Nachteil für den Käufer).

Deutsche Bitcoin-Internetseite: www.bitcoin.de

Buchtipp zum Thema:

Die Wahrheit über Geld (Anton Voglmaier, Raimund Brichta)

Die Wahrheit über Geld? Man kann es in Form von Scheinen oder Münzen anfassen, man verdient es und gibt es aus. Das war es auch schon, oder? Nein, das ist nicht einmal die halbe Wahrheit! Raimund Brichta und Anton Voglmaier graben viel tiefer und stoßen nicht zuletzt auf die Wurzeln der uns mittlerweile seit fünf Jahren beschäftigenden Finanzkrise. Auf dem Weg dahin erklären die Autoren, wie Geld eigentlich in die Welt kommt, welcher Zusammenhang zwischen Vermögen auf der einen und Schulden auf der anderen Seite besteht und warum man unser derzeitiges Weltfinanzsystem niemals nachhaltig und krisenfest ausgestalten kann.

Ein Kommentar

  1. Hørtes ut som dere hadde det både morsomt og deilig. Det er viktig med slike små avbrekk fra hverdagen.Det var et kjempesøtt hjerte fra BirtheBo.Ønsker deg en fin kveld!Klem fra Anette Willemine

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