Warum Freelancer vom System nicht erwünscht sind

Viele Menschen haben den Traum von der Selbständigkeit. Keinen Chef haben, sich die Zeit selbst einteilen können, kreativ und Freigeist sein. Mit der eigenen Idee, vielleicht sogar von zuhause aus, arbeiten und sich ein Einkommen erwirtschaften, das den eigenen Lebensunterhalt sichert. Eigentlich ideal für Staat und Gesellschaft, wenn es Menschen gibt, die sich mit Mut und Kreativität ihr eigenes Standbein aufbauen. Das bedeutet für den Staat weniger Arbeitslose bzw. frei gewordene Plätze für andere potenzielle Angestellte in einem Unternehmen. Somit sollte man meinen, der Staat müßte einen Einzelunternehmer fördern. Doch weit gefehlt! Denn die Sache hat ein paar Haken, wenn wir den Weg in die Selbständigkeit etwas näher beleuchten. Denn bei genauerem Hinsehen wird das klassische Ein-Mann-Unternehmen mit utopischen Unkosten seitens des Staates gezielt ausgebremst, ein Start-Up mit mehreren Mitarbeitern und hohen Kreditsummen zur Geschäftsgründung aber gefördert. Warum ist das so?

Hohe „Zwangsabgaben“ für Einzelunternehmer

So motiviert man als Einzelunternehmer anfangs zu Werke geht, so schnell holt einen der Staat mit den ersten Steuerforderungen auf den Boden der Tatsachen zurück. Einkommensteuer zahlt man ab einem Jahres-Überschuss von ca. EUR 8500. D.h. einen Überschuss (Umsatz abzüglich aller Betriebsausgaben) von ca. EUR 700 im Monat im Durchschnitt kann man als Kleinunternehmer behalten, ohne dafür irgendeine Steuer zu bezahlen – davon kann man aber nicht leben. Hinzu kommt die Kranken- und Pflegeversicherung, die zu Beginn mit ca. EUR 250 zu Buche schlägt. Entwickelt sich das Geschäft gut, und das ist ja das Ziel eines jeden Unternehmers, denn man möchte ja von den Einnahmen leben können, steigen auch die „Zwangsabgaben“ (Steuern / Versicherungen). Der durchschnittliche Einkommensteuersatz des zu versteuernden Einkommens beträgt ca. 25% und wird nach der allerersten Berechnung im Voraus für das laufende Steuerjahr vom Finanzamt festgesetzt. Man beachte, dass das Finanzamt immer von einer Steigerung des Überschusses ausgeht, auch wenn dies nicht so sein wird. Dazu kommt nun auch die Gewerbesteuer, wenn der Überschuss mehr als ca. 24000 Euro im Jahr beträgt (nicht für „Freischaffende“ wie Berater). Anhand des letzten Einkommensteuerbescheides werden auch die Beiträge für Kranken- und Pflegeversicherung angepasst (auch rückwirkend), d.h. dann werden aus den ursprünglichen 250 Euro gerne mal EUR 400 und mehr (für eine Person, wenn man keine Familie hat). Möchte man im Rentenalter nicht mit leeren Händen dastehen, sollte man als Selbständiger natürlich auch eine Renten- oder Lebensversicherung abschließen, privat oder staatlich, was eine weitere Ausgabe in Höhe von EUR 300 bedeutet (je nach Rentenart, Eintrittsalter etc. ist der Beitrag natürlich individuell und in diesem Fall nur kalkulatorisch). Immer mehr Freelancer wie Übersetzer im „rentenfähigen“ Alter können mit ihrer Rente nicht leben und müssen nebenbei arbeiten, jedoch darf bei den Einnahmen als Rentner ein bestimmter Freibetrag nicht überschritten werden, denn sonst hält auch hier der Staat die Hände auf und fordert dafür Steuern…

Abhängigkeiten werden gefördert, Freigeister sind unerwünscht

Wird man als Selbständiger krank, hat man 0 Euro Einnahmen. Um dies auszugleichen, würde es eine weitere Versicherung benötigen, die wir hier in unserem Beispiel nicht berücksichtigen. Aufgrund der oben erwähnten Zwangsgebühren braucht man als Single ohne Kinder bezogen auf ein ganzes Jahr ca. 36000 Euro Überschuss, das sind EUR 3000 im Monat, wenn man mit 1300 Euro zum Leben auskommen möchte (pauschalisiert – ohne Angabe von Gewähr).

Goldmünzen Thorsten Wittmann Finanzen mit KlartextSo stellt sich als arbeitswilliger Bürger, der das Risiko der Selbständigkeit auf sich nimmt, doch die Frage, welches Recht sich der Staat nimmt, derart hohe Steuern und Gebühren zu erheben, obwohl er doch nichts für das Business leistet? Die Antwort ist ganz einfach: Der Staat (bzw. das System) fördert „Abhängigkeiten“, während Freigeister nicht erwünscht sind. Freigeister im betriebswirtschaftlichen Sinne sind frei und haben eine eigene Meinung. Denn das sieht als Angestellter schon anders aus: Man muss sich nach klar definierten Regeln und vorgegebenen Zielen halten, reibt sich evtl. mit dem Chef oder den Kollegen auf, muss neue Prozesse und EDV-Anwendungen lernen, hat feste Arbeitszeiten und ist eingebunden in einem System ohne individuellen Freiraum. Man ist so beschäftigt, meist im modernen Großraumbüro mit ungesunder Klimaanlage und grellem künstlichen Licht, dass man kaum Zeit hat, sich über irgendetwas Gedanken zu machen.

Wer profitiert von der Selbständigkeit als Einzelunternehmer?

– Staat
– Versicherungen

Uns so erhalten wir u.a. auch ganz schnell die Antwort, warum sog. Startups mit mehreren Mitarbeitern und hohen Investitionen gefördert werden. Startups haben das Potenzial, zu größeren Firmen zu werden, der Einzelunternehmer hat dieses Ziel in den wenigsten Fällen. D.h. irgendwann wird das Startup im besten Falle auch wieder Angestellte haben, die in der oben genannten „Mühle“ stecken. Startups erhalten Förderprogramme vom Staat mit günstigen Krediten für deren Gründung. Und da sind wir beim Hauptgrund, warum „größere“ wirtschaftliche Projekte gefördert werden, kleine weniger. Die Finanzindustrie ist der Pulsgeber unserer Wirtschaft. Von Krediten leben sie. Und somit wird alles das gefördert, was der Finanzindustrie zu Gute kommt, wie z.B. auch Hypotheken für den Hausbau, in dem ebenfalls Abhängigkeiten gefördert werden. Die Finanzindustrie beherrscht die Welt und danach richtet sich alles – auch Staaten. Das ganze System ist so ausgerichtet, dass der Bürger angepasst wird und in einem Abhängigkeitsverhältnis steckt. Denn so entsteht Angst. Angst vor dem Arbeitsplatzverlust, Angst vor dem Chef, Angst vor der Pleite…

Ergänzend muss erwähnt werden, dass ein „kleiner“ Einzelunternehmer, wenn er Kredite braucht, kaum noch Chancen hat, diese zu erhalten. Die vom Arbeitsamt einst forcierte Ich-AG für Arbeitslose ist auch nur eine Farce, da es lediglich 300 Euro im Monat zum eher schon geringen Arbeitslosengeld gibt, von den Anforderungen bzgl. Business-Plan etc. kaum zu sprechen.

Wer profitiert von der Selbständigkeit als Startup mit mehreren Angestellten?

– Staat
– Versicherungen
Kreditinstitute

Mut machen sollte uns trotz allem das folgende Zitat von Steve Jobs

“Deine Zeit ist begrenzt und deshalb solltest du sie nicht darauf verschwenden, das Leben eines anderen zu leben. Lass dich nicht von einem Dogma festhalten – mit den Ergebnissen Gedanken anderer leben zu müssen. Lass nicht den Lärm anderer Meinung deine innere Stimme verstummen. Und vor allem, hab den Mut deinem Herzen und deiner Intuition zu folgen. Die wissen nämlich irgendwie bereits, was du tatsächlich werden willst. Alles andere ist zweitrangig.” Steve Jobs’ Stanford Commencement Address, 2005

Beitragsbild „Steve Jobs“: segagman flickr cc

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