Arbeitsmarkt: Jung, ledig, billig sucht – und findet

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Die europäischen Nachbarn schauen mit Neid auf Deutschland. Die deutsche Wirtschaft ist nach wie vor die Wirtschaftslokomotive Europas. Deutsche Qualität ist im internationalen Wettbewerb gefragt wie nie und hat einen guten Ruf. Doch alles hat zwei Seiten. Während die Preise deutscher Produkte im Ausland mehr als wettbewerbsfähig sind und die Unternehmen, teils staatlich gefördert und steuerlich entlastet, gute Umsätze und Gewinne erzielen, bleiben viele jener Menschen im eigenen Land auf der Strecke, die für die gute Qualität der Produkte maßgeblich mit beteiligt sind. Die Arbeitnehmer.

Im internationalen Vergleich stiegen die Löhne in den Jahren zwischen 2000 und 2009 in keinem Land der wichtigsten Industriestaaten so gering wie in Deutschland (die Zahlen bis 2013 sehen nicht viel anders aus). Ein Land, dass gar mit Niedriglohnpolitik und 1-Euro-Jobs prahlt und in dem Menschen 40-Stunden(Woche)-Jobs nachgehen, von denen sie nicht mal ihren Lebensunterhalt sichern können und beim Arbeitsamt jeden Monat „aufstocken“ müssen. Sieht man sich die untere Statistik etwas genauer an, so muss man zur Kenntnis nehmen, dass Deutschland mit 11,44% auf dem letzten Platz liegt und selbst der Vorletzte Schweiz bereits knapp 25% Gehaltsanstieg zu verzeichnen hat. Dass Pleite-Staat Griechenland mit über 87% die Liste anführt, ist jedoch auch mehr als bezeichnend.

Gehaltsentwicklung 200-2009

Die Gehälter stagnieren

In der Praxis sieht das so aus, dass ein Speditionskaufmann in leitender Position, 40 Jahre alt, auf dem Gehaltsniveau von 2006 steht. Das ist nun acht Jahre her. Eine Gehaltserhöhung ist nicht zu erwarten. Bei einem Jobwechsel wäre die Aussicht im guten Fall das Gehaltsniveau gerade mal so halten zu können. Ein anderes Beispiel beschreibt einen ehemaligen Abteilungsleiter, 50 Jahre alt, der mit einem Bruttogehalt von EUR 4200 wegen dem zu hohen Gehalt betriebsbedingt entlassen wurde. Bewerbergespräche bestätigen den Trend zu immer geringeren Gehaltskonditionen, am Besten zu erreichen mit jungem Personal. Gefragt sind in der deutschen Wirtschaft nicht die erfahrenen Arbeitnehmer, die Familie zu ernähren haben und daher auf etwas mehr Geld angewiesen sind, sondern die jungen Menschen, ohne Verpflichtungen, die auch gerne mal abends oder am Wochenende bereit sind, für ihren Arbeitsgeber flexibel Tätigkeiten zu verrichten.

Junge Arbeitnehmer sind günstig und daher im Fokus der Personalentscheider. Menschen mit 40 oder älter sind schon ein paar Jahre über ihrem Leistungszenit, nicht mehr ganz so belastbar, daher etwas gestresster und anfälliger für Burnout, als ihre 25-jähren Kollegen. Die haben auch noch nicht die einen oder anderen Zipperlein, am Rücken oder im Magen, aufgrund der letzten arbeitsamen 20 oder 30 Jahre in einem Wirtschaftsunternehmen, in dem Leistung bis zum Abwinken gefordert ist. Jedoch die Entscheider und Chefs sind meist über 40, auch nicht mehr ganz frisch, aber der Gehaltszettel passt!

Bild: Fotolia

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3 Kommentare

  1. Richard sagt:

    Präzise getroffen. Genau so läufts. Es ist höchste Zeit einen Systemwechsel herbeizuführen. Auch wenn dies sehr schmerzhaft sein wird.

  2. malocher sagt:

    Hartz 4 ist schon beschämend. 26000 Euro für eine 4 Köpfige Familie im Jahr
    zum Leben.
    Kleinunternehmer 2 Erwachsene 2 Kinder 24000 Euro Steuerfrei.
    Also 2000 Euro + Kindergeld für einen Selbständigen Kleinunternehmer (Einmannbetrieb) für Miete ,Strom ,Heizung.
    Rente finanzieren davon : Fehlanzeige.
    Aber erst einmal 2000 Euro verdienen im Monat.
    Die Kosten wie Einkommensteuer,Gewerbesteuer,Umsatzsteuer,Handwerkskammerbeiträge, Berufsgenossenschaft,Steuerberater,Haftplfichtversicherung,Auto und Versierung, Sprit,Reparaturen etc fressen alles auf.

  3. Steve sagt:

    Komisch: Deutsche sind Meister im Mäckern, aber gegen die Missstände etwas tun will keiner.
    Warum ist es in Deutschland so schwer einen generalstreik zu organisieren ?
    Einfach mal einen ganzen Monat zu Hause bleiben – alle.
    Warum akzeptieren so viele die Dumping-Löhne ?
    Warum sagt keiner „für das Geld stehe ich nicht auf“ ?

    Ist die Selbstachtung der Deutschen schon so gering, dass sie sich schon selbst verachten ?

    Die Lösungen werden schön seit zich Jahren kommuniziert, warum hört da niemand hin, anstatt sie für Spinner zu halten und sich weiter über den Altag aufzuregen ?

    Seit über 20 Jahren wird der Karren in die falsche Richtung gelenkt und das einzige was dem Bürger einfällt ist, welche Farbe (Partei) der Karren haben soll.

    Deutschland war einst eine ruhmreiche Nation mit großen Denkern und Visionären, die dem Rest der Weltbevölkerung geistig um 50 Jahre voraus waren. Heute, nach 70 Jahren Besatzung durch die USA, ist Deutschland so rückständig, dass man nur noch mit dem Kopf schütteln kann.

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